Teil 79 – Lucas, Lena und der Besuch auf dem Olchi-Mond
Am neunundsiebzigsten Abend roch es im Kinderzimmer plötzlich verdächtig.
Nicht nach Zahnpasta, sondern nach „Socke, die seit Wochen hinter der Heizung wohnt“.
„Hast du deine Turnschuhe im Bett?“, fragte Lena.
„Nö“, sagte Lucas. „Aber irgendwas müffelt olchig.“
Da klebten auf einmal drei grüne Nasen mit Hörhörnern am Fenster: die Olchis kugelten schnüffelnd ins Zimmer und landeten mitten auf dem Teppich.
„Hier ist ja alles viel zu sauber“, rief ein Olchi begeistert.
„Wir machen euch nur ein bisschen Traum-Dreck, der ist super für Gute-Nacht-Geschichten“, versprach Olchi-Mama und schüttelte unsichtbare Fantasie-Krümel in die Luft.
Olchi-Opa zeigte auf eine rostige Badewannen-Rakete.
„Das ist unser Olchi-Mondflieger. Kommt ihr mit zum Olchi-Mond? Nur im Schlaf, versprochen.“
Bevor sie „Stinkerbrühe“ sagen konnten, saßen Lucas und Lena in der Wanne; Drache Feuerstuhl pustete eine gelbe Schwefelwolke – und schon sausten sie durch ein schmuddliges Loch im Himmel.
Der Olchi-Mond war ein riesiger Käseball mit dampfenden Kratern.
Die Olchi-Kinder rutschten hinein, warfen Schlammknödel, die „PLOPP“ machten, und setzten Lucas einen Matschhut, Lena eine Topfkrone auf.
„Jetzt seid ihr Ehren-Olchis vom Mond“, verkündete Olchi-Opa.
Lucas schnupperte. „Riecht nach vergessener Brotdose.“
„Kompliment angenommen!“, freute sich Olchi-Mama.
Auf Lucas’ Frage nach dem Schatz zog Olchi-Mama eine verbeulte Keksdose hervor: „Für saubere Kinder verboten!“
Beim Öffnen sprangen keine Sachen heraus, sondern Geräusche – Rülpser, Kichern und zufriedene „Mmmh“-Laute, über die alle Tränen lachten.
Ein Rülpser klang wie ein kaputtes Motorrad, ein anderer wie ein trompetender Elefant, der Schluckauf hat.
Lena musste so kichern, dass sie beinahe in einen Käsekrater fiel und von Olchi-Oma am Schlafanzug wieder hochgezogen wurde.
Zwischendurch setzten sich alle auf einen warmen, wackeligen Müllhaufen, der erstaunlich bequem war.
„Das ist unser Sofa“, erklärte Olchi-Oma stolz. „Reif für die Mülltonne – also perfekt!“
Lucas merkte, dass er trotz all des Quatsches immer wieder gähnen musste.
„Echte Olchis schlafen auch mal“, sagte Olchi-Opa und tat so, als würde er schnarchen, bis sich die Krater beschwerten.
Irgendwann wurden die Geräusche leiser und die Müllwolken dünner.
„Zeit zurückzufliegen, sonst schnarchen wir die Krater zu“, meinte Olchi-Papa.
Lucas und Lena durften sich je ein Geräusch aussuchen: Lucas nahm ein leises, warmes „Mmmh“, Lena ein winziges Kichern.
Sie wurden zu zwei kleinen Funken, die mit ihnen zurück ins Kinderzimmer flogen.
Feuerstuhl landete so vorsichtig, dass nur ein Hauch Fantasie-Staub auf der Decke zu sehen war.
Wieder im Bett fühlte sich das Zimmer gar nicht mehr so muffig, nur angenehm warm und ein bisschen lustig.
Lucas spürte das „Mmmh“ wie eine weiche Decke in seinem Bauch, Lena das Mini-Kichern wie eine Mücke mit guter Laune.
Sie stellten sich vor, wie die Olchis jetzt auf ihrem Müll-Sofa auf dem Mond liegen, laut schnarchen und vielleicht von sauber aufgeräumten Zimmern träumen – ihrem schlimmsten Albtraum.
„Ich glaub, ich bin lieber Ehren-Olchi im Schlaf als in echt“, murmelte Lena.
Draußen funkelte der Sternenfreund, als hätte er die ganze Reise gesehen.
„Gute Nacht, Ehren-Olchis“, flüsterte er.
„Gute Nacht, Olchi-Mond“, murmelte Lucas.
„Gute Nacht, Dose voller Lacher“, fügte Lena hinzu.
Der Schlaf kam, als würde jemand die Dose voller Geräusche ganz langsam schließen – und das letzte kleine Kichern sich in einen ruhigen, langen Atemzug verwandeln, der sie beide weich in die Nacht begleitet.

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