Teil 51 – Lucas und Lena und die Nachtfarben
Am einundfünfzigsten Abend wirkten die Sterne blasser, als hätten sie ihre Lieblingsfarben vergessen.
Da zog über dem Himmel ein dicker Pinselstrich aus Licht entlang und ließ bunte Tropfen auf die Wiese regnen: mintgrün, pfirsichrosa, honiggelb, lavendelblau.
Aus dem Pinselstrich sprang eine winzige Gestalt aus reinen Farben.
"Ich bin Klex, Nachtfarben-Ordnerin", stellte sie sich vor. "Ich habe aus Versehen alle Sternfarben durcheinandergewirbelt. Jetzt weiß kein Stern mehr, wie er leuchten soll."
Vor den Kindern erschien ein breites Band aus Nachtblau wie eine Leinwand.
Davor schwebten drei Paletten voller Lichtkleckse.
"Jeder von euch schlägt den Sternen heute neue Farben vor", erklärte Klex. "Aber sie leuchten nur, solange jemand darüber staunt."
Lucas färbte einen fast übersehenen Stern honiggelb – ein kleines Nachtlagerfeuer für alle, die Mut brauchen.
Emilia schenkte einem Stern über ihrer Stadt ein weiches Pfirsichrosa für gutes Einschlafen.
Lena tupfte Mintgrün auf eine Gruppe kleiner Sterne, "für die, die noch nicht ins Bett wollen", und die Sterne antworteten mit kicherndem Blinzeln.
Nach und nach strich Klex die Leinwand weg, und die neuen Farben mischten sich mit dem echten Himmel.
Die Sterne schimmerten jetzt warm und unterschiedlich, nicht mehr nur weiß.
"Ein bisschen von dieser Farbe bleibt in jedem Stern – und in euch", sagte Klex, bevor sie verschwand und auf den Händen der Kinder je ein trockener Farbfleck zurückblieb.
In dieser Nacht brauchten Lucas, Lena und Emilia zum Einschlafen keine Halme mehr.
Ein Blick aus dem Fenster genügte: Irgendwo da oben leuchtete genau der Stern, dessen Farbe sie selbst ausgesucht hatten – als wüsste der Himmel plötzlich, wie sie sich von innen anfühlen.
Und tief in der Nacht, als alle längst schliefen, sah man für einen kurzen Moment, wie sich die Farbsternchen am Himmel ein wenig bewegten – fast so, als würden sie neue Plätze ausprobieren, damit jedes Kind genau die Farbe über sich findet, die es gerade nötig hat.

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