Teil 50 – Lucas und Lena und das Sternenfreund-Fest
Am fünfzigsten Abend war die Wiese schon anders, bevor Lucas, Lena und Emilia überhaupt ankamen.
Zwischen den Grashalmen lagen feine Funken wie Konfetti, und der Himmel über dem Sternenfreund schimmerte, als hätte jemand heimlich ein riesiges Lächeln hineingemalt.
"Er weiß es", sagte Lena. "Heute zählen wir fünfzig Abende."
Kaum standen die drei bei ihren Halmen, begann der Sternenfreund, kreisförmige Lichtwellen in den Himmel zu zeichnen.
Aus jeder Welle lösten sich vertraute Formen: ein kleines Wolkenboot, ein Regenbogenstück, winzige Sternenpflanzen von der Insel, ein Funken vom Sternenmarkt, die Sternenuhr, sogar eine leuchtende Flüstertür – alles wie sanfte, schwebende Erinnerungen.
Über der Wiese entstand ein großer, runder Platz aus Licht, wie ein schwebender Teppich.
"Ein Festplatz", flüsterte Emilia.
Sie traten hinauf, und sofort ordneten sich die Erinnerungsbilder um sie herum wie Lichterketten: das Wolkenboot als Sitzbank, Regenbogenstücke als Bögen, Sternenpflanzen wie leuchtende Blumen, kleine Markt-Laternen, die lachten, wenn einer von ihnen kicherte.
"Das ist alles, was wir mit ihm erlebt haben", sagte Lucas staunend.
"Und alles, was wir daraus geworden sind", ergänzte Lena.
Dann senkte der Sternenfreund drei Lichtstrahlen, je einen für jedes Kind.
In jedem Strahl hing ein kleines Geschenk aus Licht:
Für Lucas eine winzige Sternenkarte, auf der statt Ländern lauter mutige Momente eingezeichnet waren.
Für Lena ein dünnes, funkelndes Notizbuch aus Sternenlicht, dessen Seiten nur dann erscheinen, wenn sie eine neue Frage stellt.
Für Emilia ein kleines, blaues Herz aus Licht, das immer dann leise wärmer wird, wenn sich irgendwo jemand weniger allein fühlt, weil ein Stern für ihn leuchtet.
"Für fünfzig Abende, an denen ihr geglaubt habt, dass ich mehr bin als ein Punkt am Himmel", flüsterte etwas in ihren Gedanken.
"Und für alle Abende danach, an denen ihr wisst, dass ihr selbst auch leuchtet."
Plötzlich schossen Funken hoch – ein Sternenfeuerwerk, aber ganz leise.
Die Lichter platzten nicht, sie öffneten sich wie Blumen und wurden zu neuen Sternen, die sich an den Himmel stellten, bis über der Wiese ein riesiger, sanft leuchtender Kranz aus Sternen entstand.
In seiner Mitte strahlte der Sternenfreund, und für einen Moment konnten die Kinder deutlich drei kleine Punkte darin erkennen, die wie ihre eigenen Halme aussahen.
"Das ist unser Fünfzig-Abende-Bild", sagte Emilia ehrfürchtig.
"Eine Geschichte, die man von unten nur ahnt", fügte Lucas hinzu.
"Und die wir von hier aus kennen", meinte Lena und legte ihre Hand in die der anderen.
Sie standen einfach nur da und schauten – kein neues Abenteuer, kein Weg irgendwohin, sondern ein Fest nur für diesen einen Augenblick: fünfzig Abende, ein Sternenfreund, drei Kinder und eine Wiese, die jetzt schon ein bisschen wie eine Erinnerungsdecke aus Licht wirkte.
Als sie später im Bett lagen, glommen ihre Halme ungewöhnlich ruhig.
"Ich glaube", murmelte Lucas schläfrig, "ab jetzt ist jeder neue Abend ein Bonus."
"Und jeder Stern ein kleines Stück Fest", flüsterte Emilia.
Lena lächelte im Halbdunkel.
"Und unser Sternenfreund?", fragte sie.
Draußen blinkte er einmal, langsam und wohlig, als Antwort.
Als wollte er sagen: Heute war ein Fest. Morgen erzähle ich weiter.

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