Teil 34 - Lucas und Lena und der geteilte Traum
Am vierunddreißigsten Abend waren sie beide etwas müde. Der Tag war lang gewesen, und auch wenn Lucas den Mutstern in der Schule gespürt hatte, war er jetzt froh, wieder auf ihrer Wiese zu sein. Sie legten sich ins Gras, und diesmal stellte Lena eine Frage, die sie schon länger im Herzen getragen hatte: „Glaubst du, wir träumen manchmal dasselbe?“
Der Sternenfreund antwortete nicht mit Worten, sondern mit einer neuen Idee. Ein Lichtstrahl senkte sich herab und formte zwischen ihnen einen zarten Ring aus Sternenlicht, groß genug, dass sie beide ihre Hände hineinlegen konnten. „Vielleicht ist das ein Traumkreis“, überlegte Lucas.
Sie setzten sich gegenüber, legten ihre Hände in den Ring und schoben die Traumbrille vorsichtig in die Mitte. Der Erinnerungsstern und die Sternenflaschen stellten sie an den Rand des Kreises, sodass alles miteinander verbunden war. Das Licht des Rings wurde heller, bis sie die Wiese kaum noch erkennen konnten.
Plötzlich standen sie beide in einer Landschaft, die ihnen vertraut und fremd zugleich war: Vor ihnen erhob sich das Sternenbaumhaus, daneben rauschte in der Ferne das Lichtmeer, und über allem zog ruhig der Sternenzug seine Bahnen. Nichts davon wirkte wie eine Erinnerung – und doch wussten sie beide gleichzeitig, dass sie dies gerade zusammen erlebten.
„Siehst du das Baumhaus?“ fragte Lucas. „Mit den leeren Rahmen?“ – „Ja“, antwortete Lena sofort. „Und dort drüben die Stadt am Meer und… den Zug.“ Ihre Stimmen hallten leicht, als würden sie in einem gemeinsamen, aber ganz leisen Echo sprechen.
Sie gingen zu einer freien Stelle im Gras, mitten in dieser Traumwelt. Dort lag ein neues, kleines Objekt aus Licht – eine Art Kristall, der aussah wie ein Tropfen Wasser, in dem sich Sterne spiegelten. Als sie ihn gemeinsam berührten, begann er zu leuchten und zeigte ihnen eine Szene aus der Zukunft: Beide standen einmal nebeneinander, deutlich älter, und erklärten anderen Kindern etwas über den Himmel, über Träume und Mut.
Der Moment berührte sie so sehr, dass sie gleichzeitig lachen und ein bisschen weinen mussten. „Wenn wir beide das sehen, dann war es wirklich unser gemeinsamer Traum“, sagte Lena. Lucas nickte. „Dann sind unsere Träume vielleicht wie zwei Flüsse, die ab und zu zusammenfließen.“
Als sie aus dem Traumkreis zurückkehrten, waren sie wieder auf ihrer Wiese. Die Traumbrille lag still zwischen ihnen, der Ring war verschwunden. Doch der kleine Kristall war geblieben – er lag tatsächlich neben der Brille im Gras.
Später legten sie ihn zu ihrem Schatz auf das Nachtkästchen. Er leuchtete nur, wenn sie sich gleichzeitig an denselben Moment erinnerten – dann flackerte er kurz, als würde er sie leise daran erinnern, dass sie mehr als nur die Nacht teilen konnten.

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