Teil 43 – Lucas und Lena und Emilias Geschenk
Am dreiundvierzigsten Abend konnte Emilia an nichts anderes denken als an die Sternenbrücke.
Den ganzen Tag über hatte ihr Halm im Blumentopf leise geglimmt, selbst im Sonnenlicht, als würde er heimlich üben.
"Wenn sie mir ein Hallo schicken können", murmelte Emilia, als sie wieder barfuß auf den Balkon trat, "dann kann ich ihnen auch etwas zurückschicken."
Sie setzte sich neben den Blumentopf, legte die Hände um den leuchtenden Halm und sah zu dem Sternenfreund hinauf, der bereits als erste helle Perle am Himmel stand.
Was konnte man zwei Kindern schenken, die man nur im Licht kannte?
Emilia sah in ihr Zimmer: Auf dem Boden lagen bunt verstreute Papiersterne, die sie einmal für eine Girlande ausgeschnitten hatte.
Sie nahm den liebsten davon – einen kleinen, gelben Stern mit etwas schiefen Spitzen – und legte ihn vorsichtig neben den Halm in die Erde.
"Der ist für euch", flüsterte sie.
"Für Lucas und Lena. Vielleicht kommt er ja bei euch an, auch wenn er hier bleibt."
In diesem Moment wurde ihr Halm spürbar wärmer, und an seiner Spitze begann ein winziger, glitzernder Funken zu wachsen, genau über dem Papierstern.
Über der Wiese richteten Lucas und Lena im selben Augenblick ihre Köpfe auf.
Ihre Halme flackerten kurz auf, und neben dem dritten Halm erschien ein neues, kleines Licht – als hätte jemand einen winzigen Stern direkt in den Boden gesteckt.
"Das fühlt sich an wie… ein Danke in unsere Richtung", sagte Lucas leise.
Emilia sah staunend zu, wie der Funken über ihrem Halm sich formte.
Für einen Augenblick zeichnete sich darin die Kontur einer Wiese ab, zwei kleine Gestalten mit Halmen in den Händen.
"Ich glaube, sie haben’s verstanden", flüsterte sie und legte die Fingerspitzen an das Glas, das ihren Halm schützte.
Der Sternenfreund blinkte ruhig, der junge Stern neben ihm ein wenig stolzer als zuvor.
Zwischen Himmel, Wiese und Balkon schwebten ein paar neue, besonders helle Funken – als würden sie das erste gemeinsame Geschenk der Kinder wie eine kleine, leuchtende Botschaft hin und her tragen.

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