Teil 12 - Lucas und Lena und der Sternenspiegel
Am zwölften Abend war der Himmel besonders klar, als hätte jemand alle Wolken weggepustet. Lucas und Lena gingen wie von selbst zur Wiese, wo all ihre Abenteuer begonnen hatten. Der Sternenfreund funkelte ihnen ruhig entgegen, als hätte er schon auf sie gewartet.
„Mal sehen, was er sich heute ausgedacht hat“, murmelte Lena und setzte sich ins Gras. Lucas legte sich daneben und schaute in den Himmel. „Vielleicht zeigt er uns heute etwas über uns“, meinte er leise.
In diesem Moment floss sein Licht wie ein silberner Bach vom Himmel auf die Wiese. Vor ihnen sammelte es sich zu einer glatten, schimmernden Fläche – einem See aus flüssigem Sternenstaub. „Ein Spiegel“, flüsterte Lena und beugte sich darüber.
Statt nur ihr Gesicht zu sehen, blickten sie in ihre früheren Abenteuer: Sie sahen sich auf der Sternenschaukel, im Wolkenboot, auf der Regenbogen-Brücke und im Traumgarten. Die Bilder zogen wie kleine Filme über die Oberfläche und ließen jede Erinnerung noch einmal aufleuchten.
„Der Spiegel erinnert sich an alles“, staunte Lucas. Der Sternenfreund blinkte zustimmend.
Dann änderte sich das Bild. Jetzt sahen sie sich selbst ein bisschen größer, als wären einige Jahre vergangen – immer noch zusammen auf der Wiese, immer noch mit Blick zum Sternenfreund. „Sind das wir später?“, fragte Lena leise. „Ich glaube, ja“, sagte Lucas. „Und er ist dann immer noch bei uns.“
Zum Schluss zeigte der Spiegel Lucas und Lena, wie sie nebeneinander sitzen, die Hände ineinander verschränkt, umgeben von all ihren Freunden aus den Abenteuern: Elfen, Drachen, Sternentiere, Wolkenstadt. Lena lächelte. „So fühlen wir uns“, sagte sie. „Nie allein.“
Das Licht des Sternenspiegels begann sich zusammenzuziehen und wurde zu einem einzigen, runden Tropfen, der in Lenas Hände fiel. Als sie wieder hinsah, war daraus ein kleiner, klarer Stein geworden, in dessen Innerem ein winziger Stern glühte.
„Ein Stück von unserem Spiegel“, flüsterte sie. Lucas legte seine Hand auf ihre. „Damit wir nie vergessen, was wir mit ihm erlebt haben“, sagte er.
Zu Hause legte Lena den Sternenstein auf ihr Nachtkästchen, wo er im Dunkeln leicht schimmerte. Lucas dachte an die Bilder im Spiegel und daran, dass sie den Sternenfreund auch später noch anschauen würden.
So schliefen Lucas und Lena friedlich ein – mit einem Stern am Himmel und einem zweiten, ganz kleinen, der nun bei ihnen im Zimmer leuchtete.

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