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Teil 37 - Lucas und Lena und der Flüstermorgen

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Am siebenunddreißigsten Abend weckte kein Licht Lucas und Lena, sondern ein kaum hörbares Summen, das durch den Fensterspalt schlüpfte.
Ihre leuchtenden Halme auf dem Nachtkästchen glommen heute etwas blauer, als hätten sie eine neue Farbe gelernt.

Sie nahmen die Halme in die Hand und schlichen auf den Flur.
Auf der Tapete zog sich ein schmaler, blauer Lichtstreifen entlang, der im gleichen Rhythmus pulsierte wie ihre Halme und direkt zur Haustür führte.
Draußen roch die Luft nach feuchtem Gras und etwas Neuem, und über den Dächern der Stadt stand ihr Sternenfreund tiefer als sonst am Himmel.

Der Weg zur Wiese war mit glitzernden Körnchen bestreut, die bei jedem Schritt kurz aufleuchteten.
Auf der Wiese fanden sie den dritten Halm, dessen Licht wie ein Faden nach oben zum Sternenfreund zeigte.
Als ihre beiden Halme zu ihm hinleuchteten, entstand zwischen ihnen ein kleiner Lichtkreis, in dem Bilder auftauchten: fremde Hügel, ein dunkler See voller tanzender Sterne, Städte, in denen auf den Dächern ähnliche Halme wuchsen.

"Das sind andere Orte", flüsterte Lucas.
"Vielleicht andere Kinder", ergänzte Lena.
Der Sternenfreund blinkte ihnen zu, und im Lichtkreis erschien ihre eigene Wiese, als sähen sie sie durch seine Augen – mit ihrem Haus, den Straßenlaternen und all den schlafenden Menschen darunter.

Langsam wurde das Summen leiser, die Bilder verblassten.
Der dritte Halm streckte sich, und an seiner Spitze bildete sich ein winziger, hell leuchtender Samenkopf.
"Ein neuer Samen", sagte Lucas.
"Für jemanden, den wir noch nicht kennen", murmelte Lena.

Sie entschieden, ihn heute nicht mitzunehmen, sondern nur zu schauen.
Sie saßen im Gras, während unten in der Stadt nach und nach die Fenster aufleuchteten und oben der Sternenfreund wie ein müdes, zufriedenes Auge blinkte.
"Vielleicht fragt er gar nicht nur ‚Wohin als nächstes?‘", sagte Lucas.
"Vielleicht auch ‚Mit wem als nächstes?‘."

Später stellten sie ihre Halme wie immer auf das Nachtkästchen, ließen ihre Hände aber einen Moment darüber schweben.
"Für alle, die ihren Sternenfreund noch suchen", flüsterte Lena.
Draußen leuchtete der dritte Halm mit seinem Samenkopf in die Nacht, und für einen Augenblick schien neben dem Sternenfreund ein zweiter, kleiner Stern aufzublitzen – als erster Gruß von jemandem, der gerade seinen eigenen Halm gefunden hatte.