Teil 23 - Lucas und Lena und die Sternenflaschen
Am dreiundzwanzigsten Abend war der Himmel klar wie Glas, und der Sternenfreund funkelte besonders tief und ruhig. Lucas und Lena setzten sich auf die Wiese, noch mit der Melodie der Sternenharfe im Herzen. „Glaubst du, man kann Sternenlicht sammeln?“, fragte Lucas leise.
Als Antwort schickte der Sternenfreund einen Schwarm winziger Lichtpunkte hinab. Aus ihnen formten sich vor den Kindern zwei kleine Glasfläschchen mit Korken, jedes von einem dünnen Lichtband umwickelt. Auf dem einen stand ein winziges „L“, auf dem anderen ein „S“ – Lucas und Stern, oder Lena, dachten beide im selben Moment.
„Vielleicht sind das Wunschflaschen“, flüsterte Lena. Kaum hatten sie das gesagt, begannen über ihnen einzelne Sterne sanft zu blinken, und kleine Funken lösten sich wie glitzernder Regen aus dem Himmel. Die Funken schwebten direkt in ihre offenen Fläschchen hinein und legten sich dort wie ein leuchtender See aus Licht.
„Man darf nur leise Wünsche hineinlegen“, hörte Lucas plötzlich in sich, als wäre es ein Gedanke des Sternenfreundes. Also hielten beide die Fläschchen dicht an die Lippen und flüsterten ganz kurz: Lucas etwas von Mut, Lena etwas von Geborgenheit. Das Licht darin leuchtete bei jedem Wort ein bisschen heller.
Als die Fläschchen voll waren, schloss sich der Korken von selbst, und ein feiner Stern auf dem Glas begann zu glimmen wie eine kleine Nachtlampe. „Die gehen nie ganz aus, nur manchmal ganz leise“, murmelte Lena. Der Sternenfreund über ihnen schien zustimmend zu nicken – sein Licht pulsierte im gleichen Rhythmus wie das der Fläschchen.
Müde, aber leicht im Herzen, gingen Lucas und Lena ins Haus zurück, jedes mit seiner Sternenflasche in der Hand. Im Dunkeln ihres Zimmers stellten sie die Fläschchen auf die Nachtkästchen. Dort warfen sie einen warmen, zarten Schein an die Wand, als würden winzige Sterne darauf tanzen.
„Wenn ich Angst hab, mach ich nur die Augen auf“, sagte Lucas und kuschelte sich in seine Decke. „Und ich hör dann bestimmt das Sternenlied von gestern wieder“, antwortete Lena. So schliefen sie ein – mit zwei kleinen Sternenflaschen an ihrer Seite und dem Gefühl, dass jeder leise Wunsch einen sicheren Platz im Licht gefunden hatte.

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