Teil 71 - Lucas und Lena und die Indoor-Geburtstagsfeier
Am einundsiebzigsten Abend hing noch der ganze Tag im Raum: Lucas’ Kindergeburtstag im Indoorspielplatz, voller Rutschen, Netze, Bälle und Pommes-Geruch.
„Ich bin so müde, dass ich wieder wach bin“, stöhnte er, als sie im Bett lagen.
„Dein Kopf ist bestimmt noch im Kletterlabyrinth“, sagte Lena.
Emilia kicherte. „Und dein Herz in der Trampolinhalle.“
Sie schlossen die Augen, aber vor Lucas’ innerem Blick rasten immer noch Kinder an ihm vorbei, rutschten, kletterten, schrien vor Freude.
„Mein Kopf ist wie ein Indoorspielplatz, der nicht zumacht“, murmelte er.
„Vielleicht braucht er ein Schild ‚Feierabend‘“, meinte Lena.
Da hörten sie – ganz leise – ein Geräusch, das nicht aus dem Flur kam: ein sanftes Surren, wie wenn jemand langsam einen Reißverschluss schließt.
Die Dunkelheit im Zimmer bekam plötzlich Linien: zarte, leuchtende Streben, die sich an den Wänden hochzogen.
„Schon wieder eine Bahn“, flüsterte Emilia. „Diesmal für den Tag.“
Vor ihnen entstand ein Mini-Indoorspielplatz aus Licht:
kleine Rutschen, ein Kletternetz, eine Ballgrube – alles in ganz sanften Farben, als hätte jemand den Lärm aus dem Bild gedreht.
In der Mitte schwebte eine goldene Kugel, so groß wie ein Tischtennisball.
„Das ist dein Geburtstag“, sagte eine ruhige, unsichtbare Stimme.
Die Kugel setzte sich oben an eine kleine Licht-Rutsche.
„Wir lassen ihn noch einmal durchlaufen“, erklärte die Stimme. „Aber diesmal langsam.“
Die Kugel glitt die Rutsche hinunter; dabei tauchten kurze Szenen auf: Lucas, wie alle „Happy Birthday“ singen; Lena, wie sie ihm heimlich die größte Pommes zuschiebt; Emilia, wie sie lacht, als alle im Bällebad versinken.
Dann kam die Kugel zu einem Bereich, der wie ein Wirrwarr aus Röhren aussah – passend zu den Momenten, in denen Lucas den Überblick verloren hatte, wer wo herumklettert.
Die Kugel blieb kurz hängen.
„Zu viel“, dachte Lucas bewusst, atmete tief ein, und in dem Moment wurde dieser Abschnitt heller, als würde jemand ein „Ist okay, es war viel“ dazu schreiben.
Die Kugel rollte weiter.
Ganz am Ende der Bahn wartete ein kleines, ruhiges „Ausgang“-Schild aus Licht.
Die Kugel ploppte hindurch und wurde zu einem winzigen Stern, der an die Zimmerdecke stieg.
Der Mini-Indoorspielplatz aus Licht zog sich zusammen, bis nur noch dieses Sternchen übrig blieb.
Lucas atmete auf.
„Jetzt ist mein Kopfspielplatz zu“, flüsterte er.
„Aber in gut“, ergänzte Lena. „Die schönsten Sachen sind jetzt oben abgespeichert.“
Emilia sah zum Sternchen. „Und morgen können wir wieder toben – aber heute darf alles schlafen.“
Der Schlaf fühlte sich an, als würden sie in einem leeren, aber warmen Spielplatz liegen, in dem die Lichter ausgehen, einer nach dem anderen – und nur ein kleiner Geburtstagsstern bleibt an, damit niemand vergisst, wie schön der Tag gewesen ist.

No comments to display
No comments to display