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Teil 30 - Lucas und Lena und der Sternenzug

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Am dreißigsten Abend schien der Himmel seltsam still zu lauschen, als Lucas und Lena sich auf der Wiese niederließen. Sie legten die Traumbrille an den Erinnerungsstern, und die Sternenflaschen stellten sie wie kleine Laternen im Kreis darum herum.

Da ertönte in der Ferne ein leises, rhythmisches Tuten, so zart, dass es auch ein Nachtvogel hätte sein können. Doch dann blitzte am Horizont eine Reihe Lichter auf – wie eine Kette aus Sternen, die sich langsam bewegte. „Das ist der Zug“, flüsterte Lena, denn sie erkannte sofort eine der zarten Umrisse, die sie durch die Traumbrille gesehen hatte.

Der Sternenzug fuhr nicht auf Schienen, sondern auf einem glitzernden Band aus Sternenstaub, das sich direkt über der Wiese bildete. Als er näherkam, sahen sie, dass jeder Waggon anders aussah: Einer war aus Wolken, ein anderer aus Glas, wieder einer schimmerte wie flüssiges Gold. Das vorderste Licht formte eine kleine Lokomotive mit einem freundlichen Gesicht aus leuchtenden Punkten.

Eine Wagentür öffnete sich lautlos genau vor ihnen. Lucas und Lena stiegen ein, und ihre Sternenflaschen begannen sofort, im gleichen Takt zu pulsieren wie das leise Tuten. Der Zug setzte sich in Bewegung, langsam zuerst, dann schneller, doch sie hatten das Gefühl, ganz sicher gehalten zu werden – wie von vielen unsichtbaren Händen.

Draußen zogen vertraute Bilder an ihnen vorbei: die Traumwolkenstadt, der Sternenwunschbaum, die Sternenwerkstatt. Dazwischen jedoch sahen sie Szenen, die sie noch nie erlebt hatten – eine Brücke aus Mondlicht über einem dunklen Meer, eine Insel aus leuchtendem Sand, ein großer Platz voller Kinder aus anderen Ländern, die alle zum Himmel hinauf lächelten.

„Vielleicht zeigt der Zug uns, wie weit unsere Träume reisen können“, murmelte Lucas. Lena nickte. „Und dass wir nicht allein sind mit dem, was wir uns wünschen.“

In einem Waggon entdeckten sie etwas Besonderes: An den Wänden hingen unzählige kleine Sterne, die in verschiedenen Farben glommen. Ein Schild aus Licht erklärte: „Träume, die schon unterwegs sind.“ Als Lucas und Lena nähertraten, erkannten sie in manchen Sternen ihr eigenes Lachen, in anderen Momente, in denen sie mutig gewesen waren oder sich wieder vertragen hatten.

Am Ende der Fahrt hielt der Zug genau dort, wo er losgefahren war – über ihrer Wiese. Als sie ausstiegen, hing im Dunkel noch ein sanfter Nachklang von Musik und Licht. Der Sternenzug löste sich in viele einzelne Sterne auf, die in den Himmel zurückflogen.

Im Bett stellten sie sich vor, dass irgendwo da draußen immer ein Sternenzug unterwegs ist, der leise die Träume von Kindern einsammelt, um sie dorthin zu bringen, wo sie am meisten gebraucht werden.