Teil 19 - Lucas und Lena und der Sternenbrief
Am neunzehnten Abend wehte ein ganz leichter Wind über die Wiese, als Lucas und Lena sich hinlegten. Der Sternenfreund funkelte ruhig, aber aus seinem Licht lösten sich plötzlich kleine, schimmernde Flocken, die wie glitzernder Schnee langsam zu Boden schwebten.
Vor den Kindern sammelten sich die Funken zu einem zarten Stück Lichtpapier, das in der Luft schwebte. Daneben erschien eine leuchtende Feder, die wartend über dem Blatt schwebte. „Ein Sternenbrief“, murmelte Lena.
„Vielleicht will er, dass wir ihm heute schreiben, statt nur nach oben zu schauen“, meinte Lucas. Kaum hatten sie das gedacht, setzte sich die Feder in Bewegung – aber nicht von selbst, sondern immer dann, wenn einer von ihnen im Herzen etwas formulierte.
„Liebster Sternenfreund…“, begann Lena leise in Gedanken. Die Feder schrieb die Worte als feine Linien aus Licht auf das schwebende Blatt. Sie erzählte, wie sicher sie sich unter seinem Himmel fühlte und wie sehr sie die gemeinsamen Nächte mochte.
Lucas dachte an all die Abenteuer und fügte hinzu, dass er dankbar war, Mut in sich gefunden zu haben, den er vorher nicht gekannt hatte. Die Feder malte kleine Bilder dazu – eine Schaukel, ein Boot, ein Baum mit Sternenfrüchten, den Mond mit Gesicht.
Als sie fertig waren, glühte der Sternenbrief einmal hell auf. Dann faltete er sich von selbst zu einem kleinen, glänzenden Umschlag, der langsam nach oben stieg, direkt auf den Sternenfreund zu.
Der Stern nahm den Brief in sein Licht auf, wurde kurz ganz hell – und schickte im nächsten Moment eine Antwort zurück: einen winzigen Funken, der sich zwischen Lucas und Lena teilte. In ihrer Brust wurde es warm, als würden zwei unsichtbare Arme sie umarmen.
„Das ist seine Antwort“, flüsterte Lucas. „Er sagt, dass er immer da ist.“ Lena nickte, die Augen schon halb geschlossen.
Sie kuschelten sich tiefer ins Gras, während über ihnen der Sternenfreund ruhig weiterleuchtete. So schliefen Lucas und Lena ein – mit dem Gefühl, einen echten Brief an den Himmel geschickt und eine Antwort direkt ins Herz bekommen zu haben.

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