Teil 27 - Lucas und Lena und der Erinnerungsstern
Am siebenundzwanzigsten Abend war der Himmel ein tiefes Blau, und die Luft fühlte sich ein bisschen nach Abschied und ein bisschen nach Neuanfang an. Lucas und Lena legten sich wie immer auf ihre Wiese, die Sternenflaschen standen neben ihnen, und oben funkelte ihr Sternenfreund, heute besonders weich und sanft.
„Weißt du noch, der Bauernhof?“, begann Lena leise. „Und die Wolkenwiege, die Harfe, die Treppe…“, zählte Lucas auf und grinste müde. Während sie sprachen, begann der Sternenfreund heller zu leuchten, und um ihn herum erschienen nacheinander kleine Lichtbilder: die Schaukel, das Wolkenboot, die Regenbogenbrücke, der Bauernhof, die Sternenwerkstatt, die Wolkenwiege, der Sternenpfad, die Flüstertreppe – wie eine Reihe leuchtender Erinnerungen.
Zwischen ihnen schwebte plötzlich ein einzelner, etwas größerer Funke nach unten und blieb über der Wiese stehen. Langsam formte er sich zu einem runden, schimmernden Sternenkristall, durchsichtig wie Glas, in dessen Innerem die kleinen Szenen weiterliefen – alle Abenteuer, eins nach dem anderen. „Das ist unser Erinnerungsstern“, flüsterte Lena ehrfürchtig.
Lucas streckte die Hand aus, berührte den Kristall ganz vorsichtig – und im selben Moment hörten sie für einen Augenblick wieder das Klingen der Sternenharfe, spürten das Schaukeln der Wolkenwiege und sahen den Sternenbauernhof in der warmen Ferne. Nichts davon war laut oder überwältigend, alles war nur ein leiser Hauch, wie ein freundliches „Weißt du noch?“ im Herzen.
Der Sternenkristall wurde kleiner, bis er gut in eine Kinderhand passte. Ein winziger Riss teilte ihn in zwei Hälften, die wie zwei leuchtende Tropfen aussahen. Die eine Hälfte schwebte in Lucas’ Hände, die andere in Lenas. „Damit keiner von euch je alleine an unsere Nächte denken muss“, schien der Sternenfreund von oben zu flüstern, während sein Licht einmal sanft pulsierte.
Die beiden steckten ihre Hälften vorsichtig in die Taschen ihrer Schlafanzüge. „Wenn wir später mal groß sind, treffen wir uns auf der Wiese und halten die Hälften wieder zusammen“, sagte Lucas leise. „Dann zeigen wir unseren Kindern, wie unser Sternenfreund aussah“, ergänzte Lena und musste über den eigenen Gedanken lächeln.
Zu Hause im Bett legten sie die Kristallhälften neben die Sternenflaschen auf ihre Nachtkästchen. Das Licht der Fläschchen und der kleinen Sterne mischte sich zu einem warmen Schimmer, der das Zimmer in eine vertraute, weiche Helligkeit tauchte. „Egal, was kommt, diese Abende nimmt uns keiner mehr weg“, murmelte Lucas.
So schliefen Lucas und Lena in dieser Nacht ein – mit einem Stück Sternenerinnerung an ihrer Seite und dem Gefühl, dass ihr Sternenfreund nicht nur über ihre Träume wacht, sondern auch über alles, was sie gemeinsam erlebt haben.

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