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Teil 35 - Lucas und Lena und der Sternenfreund‑Schatz

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Am fünfunddreißigsten Abend war die Wiese voller leiser Erwartung. Alles wirkte vertraut: der Himmel, der Sternenfreund, die Fläschchen, die Brille, der Stein und der Kristall. Und doch spürten Lucas und Lena, dass etwas Besonderes bevorstand – als würde eine Geschichte nicht enden, aber ein erstes großes Kapitel sich schließen.

Der Sternenfreund schickte heute keinen einzelnen Lichtstrahl, sondern viele winzige Funken, die sich wie Glühwürmchen über der Wiese verteilten. Sie setzten sich direkt vor die beiden Kinder und bildeten einen Kreis, größer als der Traumkreis, den sie neulich gesehen hatten. In der Mitte dieses Kreises öffnete sich im Boden eine kleine, runde Vertiefung – wie eine Schale aus purem Sternenlicht.

„Vielleicht sollen wir etwas hineintun“, vermutete Lena. Lucas nickte langsam. Gemeinsam holten sie nach und nach alles herbei, was sie in den letzten Abenden begleitet hatte: die Sternenflaschen, ihre Hälften des Erinnerungssterns, die Traumbrille, den Stadtstein und den kleinen Traumkristall. Jedes Mal, wenn sie einen Gegenstand vorsichtig in die Lichtschale legten, glomm dieser auf, als würde er ein letztes Mal tief einatmen.

„Aber… verlieren wir das dann nicht?“ fragte Lucas zögernd. In diesem Moment schickte der Sternenfreund einen besonders warmen Lichtpuls über die Wiese. In dem Licht sahen sie kurz ihre eigenen Gesichter, wie sie in all den Nächten gestaunt, gelacht und manchmal auch ein bisschen geweint hatten – und sie merkten, dass nichts davon verschwand, nur weil sie die Dinge losließen.

Als der letzte Gegenstand in der Schale lag, schloss sich diese ganz langsam, als würde eine Blüte sich wieder zusammenfalten. Das Licht verwandelte den Inhalt in eine einzige, besonders helle Kugel – einen Stern, der so aussah, als würde er aus all ihren Erlebnissen bestehen. Die Kugel schwebte nach oben, direkt zu ihrem Sternenfreund, und verschmolz dort mit seinem Licht.

„Das ist unser Schatz“, sagte Lena leise. „Und er ist bei ihm sicher.“ Lucas spürte, wie sich in seiner Brust ein ruhiges, starkes Gefühl breit machte. Es war nicht traurig, eher sanft. „Vielleicht brauchen wir die Sachen nicht mehr vor uns, weil sie jetzt in uns sind“, sagte er.

Der Sternenfreund leuchtete heute heller als je zuvor und zeichnete für einen Moment das Bild des Sternenbaumhauses, der Stadt am Meer, des Zuges und der Wiese an den Himmel – wie ein großes Abschieds‑Feuerwerk, das gar keines war, sondern nur ein Zeichen.

Als Lucas und Lena später im Bett lagen, war das Nachtkästchen zum ersten Mal seit langer Zeit fast leer. Nur ihre beiden Sternenflaschen standen noch dort, doch sie leuchteten anders: In ihrem Licht schimmerten alle Farben ihrer bisherigen Abenteuer. „Weißt du, was das bedeutet?“ fragte Lena. Lucas nickte langsam.

„Dass wir jederzeit wieder neue Geschichten erleben können“, sagte er. „Mit ihm. Mit uns. Und mit allem, was wir im Herzen behalten.“

Mit diesem Gedanken schliefen sie ein – und irgendwo hoch oben funkelte ihr Sternenfreund ein kleines bisschen heller, als wollte er ihnen zuflüstern, dass kein Abenteuer wirklich zu Ende ist, solange jemand sich daran erinnert.