Teil 75 – Lucas und Lena und die Sternenbrücke
Am fünfundsiebzigsten Abend fühlte sich Lucas „irgendwie dazwischen“.
„Heute war nicht richtig gut und nicht richtig schlecht“, murmelte er im Bett.
„Mein Tag war wie eine Lücke“, sagte Lena.
Emilia grinste. „Dann braucht ihr wohl eine Brücke.“
Sie schauten zum Fenster.
Der Sternenfreund funkelte, um ihn herum schwebten feine Lichtbögen.
„Wie angefangene Regenbogen-Brücken“, flüsterte Lena.
Ein weicher Lichtstrahl löste sich vom Stern, kam ins Zimmer und wurde zu einem schwebenden Weg aus Sternenstaub zwischen den Betten.
„Das ist die Sternenbrücke“, sagte die vertraute Stimme.
„Sie verbindet diesen Zwischentag mit eurem Morgen.“
Auf der einen Seite glimmten Bilder: Lucas, der sich unentschieden fühlte; Lena, die nicht wusste, ob sie fröhlich oder müde war.
Auf der anderen Seite leuchteten ruhigere Lichtinseln, wie ein wartender neuer Tag.
„Wie geht man über eine Brücke aus Licht?“, fragte Lucas.
„Mit Gedanken“, antwortete der Sternenfreund. „Ein Schritt ist ein freundlicher Satz über dich selbst.“
Lucas dachte: „Ich war heute nicht besonders, aber ich war da.“
Die Brücke wurde heller.
Lena dachte: „Zwischentage sind keine Fehler.“
Ein zweites Stück leuchtete warm.
Noch ein Schritt:
Lucas: „Auch Tage, die sich komisch anfühlen, gehören zu mir.“
Lena: „Ich muss heute nichts mehr entscheiden.“
Damit war die Sternenbrücke bis zur anderen Seite geschlossen – wie ein weicher Bogen über einem dunklen Fluss.
„Was liegt unter der Brücke?“, wollte Lena wissen.
„Alle Fragen, die heute keinen Platz brauchten“, sagte die Stimme.
Sie sahen kein Loch, nur sanfte Dunkelheit mit kleinen Sternpunkten, wie schlafende Gedanken.
„Die müssen heute nichts leisten“, fügte der Sternenfreund hinzu.
Langsam löste sich die Brücke in viele kleine Funken auf, die sich wie Staub auf ihre Decken legten.
„Ihr seid über diesen Tag hinübergegangen“, erklärte die Stimme. „Ihr müsst ihn nicht noch einmal durchdenken.“
Lucas spürte Erleichterung. „Dann darf er einfach ein Zwischentag bleiben.“
„Mit Sternenstaub“, ergänzte Lena und schloss die Augen.
Der Sternenfreund funkelte zufrieden.
„Gute Nacht, Brückenkinder“, flüsterte er.
Der Schlaf kam wie ein langsames Hinübergehen – kein Sprung, kein Rennen, nur das Gefühl, sicher von einem Tag zum nächsten zu wandern, während über ihnen ein Stern wacht, der auch die leisen Zwischentage wichtig nimmt.

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