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Teil 31 - Lucas und Lena und die Lichtmeerstadt

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Am einunddreißigsten Abend wehte ein warmer Wind über die Wiese, der nach Salz und fernen Küsten roch, obwohl weit und breit kein Meer zu sehen war. Lucas und Lena setzten die Traumbrille diesmal zusammen auf, jeder ein Bügel über einem Ohr, und hielten sich dabei an den Händen.

Der Sternenfreund sandte einen breiten Strahl aus sanftem Licht, der sich wie ein Vorhang um sie legte. Als er sich öffnete, standen sie nicht mehr im Gras, sondern barfuß am Rand eines leuchtenden Meeres. Das Wasser war dunkelblau, aber in jeder Welle glommen kleine Lichtpunkte, als hätten sich unzählige Sterne darin versteckt.

Am Ufer lag eine Stadt, die aussah, als wäre sie aus Muscheln, Glas und Sternenstaub gebaut. Die Häuser hatten geschwungene Dächer, auf denen das Licht hin und her tanzte. Manche Fenster leuchteten wie freundliche Augen, andere schimmerten ruhig und einladend.

„Das ist die Stadt, die ich gesehen habe“, sagte Lena ehrfürchtig. Lucas nickte. „Und ich glaube, sie ist nur heute Nacht für uns da.“

Sie gingen durch die Gassen, und überall schienen die Gebäude auf ihr Kommen zu reagieren. Wo sie vorbeigingen, hellten sich Laternen auf, und kleine Lichter hüpften wie neugierige Fische an den Wänden entlang. Auf einem Platz in der Mitte der Stadt stand ein Brunnen, dessen Wasser in die Höhe schoss und dabei wie flüssiges Sternenlicht funkelte.

Im Brunnen spiegelten sich nicht nur sie selbst, sondern auch ihre letzten Abenteuer. Doch anders als im Sternenspiegel zeigten die Bilder diesmal, wie ihre Erlebnisse andere Menschen berührten: Sie sahen, wie Lucas einem Freund Mut machte, nachts ans Fenster zu treten, um die Sterne anzusehen. Sie sahen, wie Lena einem kleineren Kind von der Sternenbrille erzählte und wie in dessen Augen ein neues Leuchten entstand.

„Unsere Träume bleiben nicht bei uns“, sagte Lena leise. „Sie leuchten irgendwie weiter.“ Lucas legte seine Hand auf das Wasser, und der Brunnen schickte einen warmen Glanz über beide.

Als sie später wieder am Ufer standen, kam eine sanfte Welle bis zu ihren Füßen und ließ etwas Kleines im Sand zurück: ein glatter, runder Stein, der in der Mitte ein leuchtendes Muster trug, das aussah wie eine kleine Stadt. „Damit ihr euch erinnert, dass eure Träume Spuren hinterlassen“, flüsterte eine Stimme in ihrem Inneren.

Zurück im Bett legten sie den Stein zu ihren Sternenflaschen, zur Traumbrille und zum Erinnerungsstern. Der Stein leuchtete nur ganz schwach, aber genau dann ein bisschen heller, wenn einer von beiden an jemand anderen dachte, dem er etwas Gutes tun wollte.