Teil 86 - Lucas und Lena und die Einschulung Am fünfundachtzigsten Abend lag ein ganz besonderes Knistern in der Luft, denn die langen Sommerferien neigten sich dem Ende zu. Morgen war es endlich so weit: Der allererste Schultag von Lucas stand bevor! Im Kinderzimmer roch es nach frischen Farbstiften, neuem Holz und großer Vorfreude. Neben dem Bett stand der nagelneue Schulranzen mit glänzenden Reflektoren, und auf dem Stuhl leuchtete eine prächtig verzierte Schultüte mit Planeten- und Sternenmustern. Lucas streichelte aufgeregt über den glatten Karton, während in seinem Bauch bunte Schmetterlinge um die Wette flogen. Lena saß gemütlich im Pyjama auf dem Bettrand und sah ihren Bruder lächelnd an. „Bist du schon sehr aufgeregt, Lucas?“, fragte sie leise. Lucas nickte ehrlich. Er freute sich riesig, aber ein kleines Quäntchen Bange mischte sich unter sein Strahlen. Und noch etwas beschäftigte die Geschwister: In den letzten Wochen hatten sie ihren liebsten Begleiter schmerzlich vermisst. Der Sternenfreund war nämlich in seinen wohlverdienten Sternen-Urlaub auf die funkelnden Milchstraßen-Inseln gereist, und der Nachthimmel hatte ohne seinen vertrauten Schein fast ein wenig leer gewirkt. Doch genau in diesem Moment geschah etwas Wundersames. Ein leises, warmes Summen erfüllte die Raumluft, und am geöffneten Fensterflügel begann die Nacht plötzlich golden zu flimmern. Wie ein sanfter Regenschauer aus lauter winzigen Mutpunkten schwebte der Sternenfreund herein! Er sah erholt und strahlend aus, trug sogar eine kleine, funkelnde Urlaubs-Sonnenbrille aus Sternenlicht und wiegte sich vergnügt im frischen Nachtwind. „Hallo, ihr beiden!“, raunte die sanfte Stimme des Sternenfreundes leise durch das Zimmer. „Ich habe meinen Koffer voller Sternenstaub gepackt und bin pünktlich wieder da!“ Lucas und Lena machten große Augen und fielen sich vor Freude fast um den Hals. „Wir haben dich so vermisst!“, rief Lena leise. „Hast du da oben überhaupt mitbekommen, was bei uns unten los war?“ Der Sternenfreund schmunzelte und ließ ein lustiges Augenzwinkern blitzschnell aufleuchten. „Aber natürlich!“, antwortete er wiegend. „Glaubt ihr etwa, ich verpasse auch nur einen einzigen eurer Schritte? Ich habe mir auf meiner Traumwolke im Urlaub mein goldenes Sternenfernrohr geschnappt und euch jeden einzelnen Tag beobachtet. Ich habe gesehen, wie stolz Lucas den Schulranzen zum ersten Mal auf den Rücken geschnallt hat, wie ihr zusammen die Buntstifte einsortiert habt und wie gewachsen Lucas in diesen Wochen ist!“ Mit einem sanften Schwung zauberte der Sternenfreund zwei kleine, schimmernde Postkarten aus reinem Licht hervor – echte Souvenirs aus der Galaxie. Darauf gemalt waren funkelnde Buchstaben, Zahlen und kleine Herzchen. „Das ist mein Mitbringsel aus den Ferien für dich, Lucas“, flüsterte der Sternenfreund und ließ die Lichtpostkarte sanft auf die Schultüte gleiten. Sogleich begann der Karton der Schultüte in allen Regenbogenfarben zu glimmen. Anschließend schwebte der goldene Stern dicht über Lucas’ Kopf. Er drehte sich dreimal um die eigene Achse und schüttelte glitzernden Urlaubs-Sternenstaub aus seinen Zacken. Der feine Nebel legte sich wie ein unsichtbarer Schutzmantel auf Lucas’ Schultern und den Schulranzen. „Das ist der beste Mut-Sternenstaub der ganzen Milchstraße“, erklärte der Sternenfreund. „Wann immer du morgen im Klassenzimmer sitzt und dich etwas unsicher fühlst, musst du nur tief durchatmen. Der Mutstaub wird dich daran erinnern, wie stark und clever du bist.“ Nun winkte der Sternenfreund die beiden Kinder zum Fenster. Draußen erstreckte sich der samtene Nachthimmel, doch heute war er kein gewöhnliches Sternenmeer. Der Sternenfreund zog eine lange, leuchtende Spur durch die Dunkelheit und malte ein riesiges, schwungvolles „L“ direkt zwischen die Wolken, umgeben von glitzernden Zahlen wie 1, 2 und 3. „L wie Lucas!“, rief Lena begeistert. Das riesige Sternen-L leuchtete so warm und freundlich, als würde das ganze Universum Lucas zu seinem großen Schritt gratulieren. „Denk immer daran, Lucas“, sagte der Sternenfreund leise und berührte sanft Lucas’ Handfläche, wodurch ein kleines, unsichtbares Lichtherz auf seiner Haut zurückblieb. „Die Schule ist wie ein neues großes Sternenabenteuer. Du wirst neue Freunde finden, spannende Geschichten lesen und jeden Tag ein Stückchen mehr von der Welt verstehen. Und egal wo ich gerade am Himmel stehe – ich passe immer auf dich auf.“ Voller Erleichterung und mit einem tiefen, glücklichen Lächeln schlüpfte Lucas unter seine Bettdecke. Lena drückte noch einmal ganz lieb seine Hand, und der Sternenfreund wiegte sich beruhigend am Fensterbrett, während sein goldenes Licht das Kinderzimmer in ein geborgenes Schutzfeld hüllte. Sämtliche Sorgen waren verflogen. Als Lucas die Augen schloss, spürte er das warme Lichtherz in seiner Hand und wusste ganz sicher: Morgen würde der allerschönste Einschulungstag der Welt werden.