Teil 81 – Lucas und Lena und die Schulranzenparty
Am einundachtzigsten Abend war Lucas gleichzeitig riesig stolz und ein bisschen flatterig im Bauch.
Im Kindergarten hatte es eine Schulranzenparty gegeben, weil er bald ein Schulkind wird: alle Vorschulkinder brachten ihre neuen Ranzen mit, es gab Spiele, Fotos und einen kleinen „Schulkind-Kreis“.
„Mein Ranzen war heute größer als ich“, murmelte er im Bett.
Lena grinste. „Ja, aber dein Grips war drin. Das ist der Trick.“
Im Kindergarten hatten sie ihren Ranzen ausgepackt wie Schatzkisten: Hefte, Stifte, Brotdose, Flaschen – alles bekam einen Platz.
Lucas durfte einmal mit seinem Ranzen um die Gruppe laufen, und alle riefen seinen Namen, als wäre er schon an der Schule angekommen.
Sie spielten „Schule“, saßen an Tischen, machten Quatsch-„Meldungen“ und bekamen sogar eine Urkunde: „Bald-Schulkind mit Extra-Grips“.
„Ich freu mich auf die Schule“, sagte Lucas jetzt, „aber sie ist auch groß. Fast so groß wie der Ranzen.“
„Dann brauchst du jemanden, der mit dir guckt“, meinte Lena und sah zum Fenster.
Draußen funkelte der Sternenfreund, als hätte er eine winzige Schulranzen-Schnalle aus Licht bekommen.
In ihrem Zimmer schwebte plötzlich ein kleiner Ranzen aus Sternenstaub über Lucas’ Bett.
Er war durchsichtig, innen glühten kleine Bilder des Tages: Lucas mit Urkunde, sein Lachen mit Freunden, das Gefühl, im Kreis zu sitzen und „Schulkind“ genannt zu werden.
„Das ist dein Sternranzen“, erklärte die vertraute Stimme. „Der nimmt nur das mit, was dich heute mutig gemacht hat.“
Der Sternranzen öffnete sich ganz leise.
Lucas sah drei Fächer aus Licht.
Im ersten lag das Bild von ihm, wie er seinen Ranzen alleine auf- und zu macht – ein Fach für „Ich kann das schon“.
Im zweiten Fach leuchteten die Gesichter von Menschen, die ihm zugehört hatten: Erzieherinnen, Kinder, Lena – ein Fach für „Ich bin nicht allein“.
Im dritten Fach war noch nichts zu sehen, nur ein warmes, freies Licht.
„Das ist für die Schule“, sagte der Sternenfreund. „Für alles, was du noch erleben wirst.“
„Und was, wenn ich doch Angst kriege?“, fragte Lucas leise.
„Dann darfst du den Sternranzen kurz zumachen“, antwortete die Stimme. „Keiner nimmt dir den Mut weg, nur weil du ihn mal im Ranzen lässt.“
Lena legte eine Hand auf seine Decke. „Ich mach mir auch manchmal kurz zu“, gab sie zu. „Dann klapp ich mich wieder auf.“
Der Sternranzen schrumpfte langsam und legte sich wie ein kleiner, leuchtender Ranzenanhänger direkt an Lucas’ Herz – nicht schwer, eher wie ein Glücksbringer.
Lucas spürte, wie der Tag sich sortiert anfühlte: Kindergarten-Abschied, Schulvorfreude, ein bisschen Grips-Stolz, ein bisschen Bauch-Flattern – alles hatte einen Platz.
„Ich glaub, ich bin jetzt zwar noch kein Schulkind“, flüsterte er, „aber ich bin schon auf dem Weg.“
„Und ich bin deine Weg-Begleiterin“, sagte Lena und stupste ihn leicht.
Draußen nickte der Sternenfreund im Licht.
„Ich bin der Weg-Stern“, fügte er hinzu. „Für Schulwege, Kindergärten und alle Abende dazwischen.“
Der Schlaf kam wie ein langsam gepackter Ranzen: erst das Stolz-Gefühl hinein, dann die ruhigen Bilder, zum Schluss ein kleines Leuchten vom Sternenfreund.
Es fühlte sich an, als würde Lucas auf einem sanften Schulweg einschlafen – mit Lena neben sich und einem Sternenranzen im Herzen, der versprochen hatte, auch morgen noch da zu sein, egal, wie groß die Schule aussieht.