Teil 77 – Lucas und Lena und der Sternenfahrstuhl

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Am siebenundsiebzigsten Abend war Lucas sicher, dass sein Tag einen „Ping“-Ton gehabt hatte.
„So wie ein Fahrstuhl, wenn die Tür aufgeht“, erklärte er im Bett. „Mein Kopf fährt immer noch rauf und runter.“
„Ich fühl mich auch wie zwischen Etagen“, meinte Lena.
Als sie zum Fenster schauten, hing ihr Sternenfreund am Himmel, darunter ein senkrechter Lichtstreifen, als hätte jemand einen leuchtenden Aufzugsschacht in den Himmel gemalt.

Mit einem leisen ping stand plötzlich ein kleiner Fahrstuhl aus Sternenlicht im Zimmer, gerade groß genug für zwei Kinder.
Die Wände waren durchsichtig, auf den Knöpfen standen statt Zahlen kleine Symbole: eine Welle, eine Wolke, ein Herz, ein Fragezeichen.
„Willkommen im Sternenfahrstuhl“, sagte die vertraute Stimme. „Heute fahrt ihr nicht höher oder tiefer – ihr fahrt nur ruhiger.“
Lucas und Lena setzten sich auf den Boden des Fahrstuhls, wie in einer geheimen Höhle.

Lucas drückte auf die Welle.
Die Wände zeigten ihren Tag wie Wasserbilder: alles Gute, Komische und Anstrengende schwappte kurz vorbei – ohne Lärm, nur als weiche Farb-Wellen.
„Alles, was heute zu viel geschwappt ist, darf sich setzen“, meinte der Sternenfreund.
Dann wählte Lena die Wolke; plötzlich fühlte es sich an, als würde der Fahrstuhl schweben.
Die Bilder zeigten nur noch Pausen: auf der Bank sitzen, aus dem Fenster schauen, einmal tief seufzen.
„Die Wolkenzeiten waren zu kurz“, murmelte Lena.
„Hier drin verlängern wir sie“, antwortete die Stimme, und die Szenen blieben ein paar Herzschläge länger.

Beim Herz-Knopf wurden die Wände warm-gold.
Jetzt kamen nur noch kleine, liebe Momente: ein Lacher, eine Hand, die die eigene sucht, ein „Schon okay“, ein geteiltes Stück Süßes, ein stolzer Blick.
„Die passen in eine Hosentasche“, flüsterte Lucas.
„Die nehmen wir mit“, sagte der Sternenfreund. „Alles andere darf oben bleiben.“
Zuletzt leuchtete der Knopf mit dem Fragezeichen von selbst.
In den Wänden tauchten alle offenen Fragen des Tages als kleine Punkte auf: „Warum war ich da plötzlich traurig?“, „War das komisch, was ich gesagt habe?“, „Was wird morgen?“
„Die stellen wir auf die Sternen-Etage für ‚Später‘“, beruhigte die Stimme. „Heute müssen sie nichts entscheiden.“

Der Fahrstuhl machte wieder ein sanftes ping, und im nächsten Augenblick lagen Lucas und Lena wieder in ihren Betten.
Zwischen ihnen lag ein kleiner Lichtpunkt, der aussah wie der Herz-Knopf.
„Das ist eure Etage für heute“, erklärte der Sternenfreund. „Herz-Licht, verlängerte Wolkenzeit und Wellen, die sich ausgeruht haben.“
Lucas gähnte. „Mein Kopf fährt nicht mehr“, murmelte er. „Er steht jetzt auf der richtigen Etage.“
„Auf der Schlaf-Etage“, ergänzte Lena und tippte den Lichtpunkt an.
Der Schlaf kam wie eine langsame Fahrstuhlfahrt nach unten, bei der niemand drängelt – nur ein leises ping am Ende, wenn die Tür zur Nacht aufgeht.


Created 2026-07-23 20:22:23 CEST by Sascha Jelinek
Updated 2026-07-23 20:24:18 CEST by Sascha Jelinek