Teil 65 – Lucas und Lena und die Nacht aus Bausteinen
Am fünfundsechzigsten Abend steckte der Tag im Legoland den dreien noch in den Knochen: Mini-Städte aus Steinen, Boote, Züge und Fahrgeschäfte, alles voller Bewegung.
„Mein Kopf ist voll mit Noppen“, stöhnte Lucas.
„Meiner mit Türmen“, sagte Lena.
„Meiner mit Geräuschen“, murmelte Emilia.
Im Dunkeln im Bett war es plötzlich ungewohnt still.
Lucas hatte das Gefühl, die Dunkelheit bestehe aus lauter kleinen viereckigen Schatten – wie unsichtbare Bausteine, die sich bei jedem Blinzeln ein wenig umsetzten.
Auf einmal fühlte er, wie seine Matratze leise „klack“ machte.
Als er sich aufsetzte, lag er auf einer riesigen, schimmernden Platte aus Nacht-Bausteinen.
Neben ihm saßen Lena und Emilia, in ihren Schlafanzügen, auf einem Boden aus Dunkel-Blau, Nacht-Lila und Stern-Gelb.
Vor ihnen wuchs eine kleine Stadt aus Lichtsteinen: Häuser, Züge, Boote, alles langsamer und leiser als am Tag – wie eine schlafende Legoland-Version.
„Das ist unser Heute, aber leiser“, sagte Emilia.
„Vielleicht sollen wir entscheiden, was stehen bleiben darf“, meinte Lucas.
„Damit morgen Platz bleibt“, nickte Lena.
Ein heller Turm mit der Aufschrift „Dein Lieblingsmoment“ formte sich.
Lucas dachte an den Zug durch die Mini-Stadt, der überall Lichter aufblinken ließ – die Szene entstand als Bau aus Lichtsteinen vor ihnen.
„Der darf bleiben“, sagte er. „Der macht warm im Bauch.“
Daneben stand ein flackernder Turm „Zu viel“: Warteschlangen, laute Lautsprecher, Gerempel.
„Der war auch ein Teil vom Tag“, sagte Lena, „aber ich will ihn nicht mitten im Traum haben.“
Sie lösten die hellen Steine heraus – Momente, in denen sie trotz Anstrengung lachen mussten – und bauten daraus einen kleineren Turm „Geschafft“.
Die dunkleren Steine legten sie an den Rand der Platte; sie blieben, mussten aber nicht mehr im Weg stehen.
Ein dritter, unfertiger Bau trug den Namen „Noch-nicht-Mut“: Bilder von Fahrgeschäften, an denen sie vorbeigegangen waren.
„Ich will nicht traurig sein, dass ich sie nicht gefahren bin“, sagte Lucas.
„Dann bekommt der Bau eine Tür für später“, schlug Lena vor.
Sie setzten eine kleine Tür aus Lichtsteinen ein und nannten sie in Gedanken „Vielleicht ein anderes Mal“.
Der Bau hörte auf, wacklig zu wirken; er wartete einfach.
Die Bausteinplatte wurde wieder weich, die Traumstadt verblasste.
Lucas spürte sein echtes Kissen, als hätte jemand den Tag vorsichtig zurück in eine Schachtel gelegt.
„Mein Lieblingsmoment bleibt wie ein kleines Lego-Haus in meinem Kopf“, murmelte er.
„Und deine Noch-nicht-Mut-Sachen?“, fragte Lena.
„Die haben jetzt eine Tür“, sagte er. „Die muss ich heute nicht aufmachen.“
Emilia flüsterte: „Vielleicht ist jede Nacht wie bauen: Wir nehmen den Tag auseinander und setzen ihn leiser wieder zusammen.“
Der Schlaf fühlte sich an, als würden sie in eine Schachtel voller weicher Bausteine gelegt – mit genug Platz für all die Abenteuer, die noch kommen dürfen.