Teil 53 – Lucas und Lena und die stillen Wünsche der Sterne Am dreiundfünfzigsten Abend war die Wiese fast ganz dunkel, nur ein paar späte Glühwürmchen zogen leise ihre Kreise. Lucas, Lena und Emilia standen barfuß im Gras, den Sternenfächer fest in den Händen. "Der Himmel sieht heute aus, als hätte er seine Lichter vergessen", flüsterte Emilia. Da tauchte, ganz ohne Funkenspur, der Sternenfreund direkt über ihnen auf. Sein Leuchten war heute weich und klein, fast so, als wolle er niemanden wecken. "Es gibt Nächte", sagte er, "in denen die Sterne nicht für Geschichten da sind, sondern für Wünsche, die so leise sind, dass man sie nur im Dunkeln hört." Er streckte die Hand aus, und der Sternenfächer klappte von selbst auf. Zwischen den Rippen glomm kein großes Lichtband, sondern viele winzige Punkte – wie ein Geheimnis, das aus Versehen ein bisschen zu hell geworden war. "Jeder Stern da drin gehört heute einem Wunschkind unten auf der Erde", erklärte der Sternenfreund. Lena schluckte. "Und wir? Bekommen wir keinen Stern?" "Doch", lächelte der Sternenfreund, "aber heute nicht zum Anschauen, sondern zum Aufpassen." Er pustete sanft, und drei winzige Sternchen lösten sich aus dem Fächer und schwebten auf die Kinder zu, bevor sie unsichtbar wurden – nur ein warmes Kribbeln blieb jeweils in ihrer Handfläche. "Solange ihr dieses Kribbeln fühlt", sagte der Sternenfreund, "passt ihr für ein anderes Kind irgendwo auf der Welt einen Wunsch auf. Ihr müsst nichts tun, nur freundlich an dieses unbekannte Kind denken, wenn ihr heute einschlaft." Lucas schaute in seine leere Hand, als könnte er den Stern doch noch sehen. "Also sind wir heute die Hüter von Wünschen, die wir gar nicht kennen", murmelte er nachdenklich. Der Sternenfreund nickte zufrieden und klappte den Fächer wieder zu. Am Himmel gingen nach und nach die Sterne an, aber sie blitzten heute nicht wild durcheinander, sondern ruhig, fast wie schlafende Augen. "Manchmal", sagte er, "ist das größte Abenteuer, etwas ganz Kleines einfach in Ruhe gut sein zu lassen." Auf dem Heimweg sprachen sie kaum. Jeder dachte an ein Kind, das er nicht kannte und das vielleicht gerade jetzt einen Stern brauchte – für Mut, für Trost oder für ein leises Lachen vor dem Einschlafen. Und als sie später im Bett lagen und das letzte Wachsein an ihnen vorbeizog, kribbelten ihre Hände noch ein winziges bisschen – so lange, bis irgendwo ein unsichtbarer Wunschstern sein Ziel gefunden hatte.