Teil 47 – Lucas und Lena und der Sternenmarkt Am siebenundvierzigsten Abend formte das Sternenkarussell über der Wiese keinen Ring, sondern einen spiralförmigen Wirbel nach oben, als würde jemand eine Treppe in den Himmel malen. Lucas, Lena und Emilia stellten sich in die Mitte, hielten ihre Halme hoch – und der Wirbel trug sie mitten in den Nachthimmel auf einen schimmernden Platz aus Licht. Ringsum schwebten kleine Stände wie auf einem Markt: Gläser mit summendem Sternenstaub, Wolkenbänke zum Draufsetzen, Laternen, die nur leuchteten, wenn jemand lachte. "Willkommen auf dem Sternenmarkt", flüsterte ein großer Funkenstern, der in der Luft schwebte. "Hier könnt ihr tauschen, was ihr im Herzen tragt." Lucas legte seine Hand auf eine gläserne Kugel, in der er sich selbst sah – unsicher am allerersten Abend auf der Wiese. Die Unsicherheit wurde warm und leichter, und er bekam eine neue Kugel zurück, in der ein Junge mutig durch einen dunklen Flur ging. "Für später", meinte der Funkenstern. "Wenn du dich wieder erinnerst, wie Mut sich anfühlt." Lena tauschte ihren alten Ärger darüber, nicht immer alles gleich zu verstehen, gegen ein Band aus Licht, das bei jeder Frage heller leuchtete. "So vergisst du nie, dass Fragen selbst schon leuchten", sagte der Funken. Als sie es ums Handgelenk legte, schimmerte es kurz – und eine kleine Sorge in ihrer Brust wurde ein Stück kleiner. Emilia wählte einen „leeren“ Stern, milchig und ohne Bild. Sie dachte an ein Kind, das sich abends oft allein fühlte – und der Stern wurde klar blau. "Diesen nimmst du mit", sagte der Funken. "Er wird über jemandem leuchten, der dein Gefühl braucht – vielleicht auch über dir." Sie setzten sich für einen Moment auf eine Wolkenbank und sahen zu, wie andere Kinder – mehr Licht-Schatten als Gestalten – leise über den Markt huschten und ihre eigenen Tauschstücke fanden. Alles war ruhig, kein Gedränge, nur ein Summen wie von einem sehr freundlichen Bienenstock. Als der Sternenmarkt blasser wurde, formte sich der Wirbel erneut und trug die drei sanft zur Wiese zurück. Ihre Hände waren leer, aber ihre Herzen fühlten sich voller an. "Mein Mut ist größer geworden", sagte Lucas. "Und meine Fragen leuchten von innen", ergänzte Lena. Emilia blickte zu einem neuen, klaren Stern über ihnen und flüsterte: "Vielleicht wartet da oben schon jemand auf genau dieses Licht."