Teil 45 – Lucas und Lena und die Insel zwischen Himmel und Meer
Am fünfundvierzigsten Abend wartete das Sternenkarussell schon auf der Wiese, als hätten die Sterne es vorausgeahnt.
Lucas, Lena und Emilia stellten sich hinein, ihre Halme leuchteten, und der Sternenfreund schickte einen breiten Lichtstrahl herab.
In der Mitte des Ringes erschien das Bild einer kleinen Insel, die mitten im Dunkel schwebte – halb von Wasser, halb von Wolken umgeben.
"Da wollen wir hin", sagte Lucas, und bevor jemand widersprechen konnte, hob das Karussell ab.
Der Wind roch gleichzeitig nach Meer und Sommerregen, bis sie sanft auf warmem Sand landeten.
Die Insel war rund und seltsam still.
Auf einer Seite rollten leise Wellen an den Strand, auf der anderen fiel der Boden direkt in eine leuchtende Wolkendecke ab.
Dazwischen wuchsen Pflanzen aus purem Sternenlicht; an ihren Spitzen hingen glühende Tropfen, die nach oben schwebten und zu winzigen Sternen wurden.
"Eine Sternenpflanzenschule", flüsterte Lena.
In einem der Tropfen sah Lucas eine ferne, leere Wiese, als würde dort noch auf etwas gewartet.
"Vielleicht suchen diese Sterne noch ihren Platz", sagte Emilia.
Sie wählten je einen Tropfen, hielten ihre Halme daran und sahen, wie die Tropfen kurz in drei Farben aufleuchteten, bevor sie nach oben stiegen.
"Jetzt wissen drei Sterne, wohin sie wollen", meinte Lucas.
"Und vielleicht drei Kinder, die irgendwann darunter stehen", fügte Lena hinzu.
Als das Sternenkarussell wieder erschien, fiel es ihnen schwer, sich von der Insel zu lösen.
Doch schließlich stiegen sie ein, und der Sternensand an ihren Füßen war der beste Beweis, dass alles wirklich passiert war.
Hoch am Himmel funkelten in dieser Nacht drei neue Punkte ein wenig bunter als die anderen, als würden sie Lucas, Lena und Emilia zum Dank zuwinken.