Teil 33 - Lucas und Lena und der Mutstern Am dreiunddreißigsten Abend war der Himmel wieder klar, und die Wiese wartete wie ein alter Freund auf sie. Doch Lucas zögerte, als sie das Haus verlassen wollten. In der Schule stand am nächsten Tag etwas bevor, wovor er sich schon seit Tagen fürchtete – eine Situation, in der er vor vielen anderen sprechen musste. Sie nahmen ihre Sternenflaschen und den Stadtstein mit auf die Wiese. Die Traumbrille legten sie diesmal in die Mitte zwischen sich, ohne sie gleich aufzusetzen. Der Sternenfreund leuchtete sanft, als hätte er ihre Unruhe längst bemerkt. Über ihnen begann ein besonders heller Stern stärker zu funkeln als die anderen. Plötzlich löste sich ein winziges Stück seines Lichtes und schwebte wie ein kleiner Funken nach unten. Er setzte sich direkt auf Lucas’ Brust, genau dorthin, wo sein Herz klopfte. Es fühlte sich warm, aber nicht heiß an – eher wie eine Hand, die beruhigend auf seiner Schulter lag. „Ein Mutstern“, sagte Lena sofort. „Er hat dich ausgesucht.“ Lucas spürte, wie sein Atem ruhiger wurde. Er setzte die Traumbrille auf, und die Wiese verwandelte sich vor seinen Augen in einen Raum, in dem er allein stand – doch nach und nach tauchten alle Abenteuer als Bilder um ihn herum auf: das Wolkenboot, der Sternenzug, die Lichtmeerstadt, das Baumhaus der Erinnerungen. „Du warst in all dem mittendrin“, flüsterte Lena, obwohl sie nicht genau wusste, was er sah. „Du hast schon so viel geschafft, auch wenn es nur in unseren Nächten war.“ Der Mutstern auf seiner Brust pulsierte im Takt seines Herzschlags, als wolle er sagen: „Ich bin da, wenn du Angst hast.“ Der Sternenfreund schickte einen schmalen Lichtstrahl direkt auf Lucas’ Sternenflasche. Darin bildete sich ein kleines, goldenes Funkeln, das anders aussah als das gewohnte Leuchten. „Wenn du morgen Angst hast“, erklärte Lena, „musst du nur kurz daran denken, wie dieser Stern sich anfühlt. Er bleibt bei dir, auch wenn du ihn nicht sehen kannst.“ In dieser Nacht schlief Lucas mit der Hand auf seiner Brust ein, genau dort, wo der Mutstern gelandet war. Und tief in seinem Inneren wusste er, dass er nicht allein war, wenn er vor anderen sprechen musste – denn ein Stück Sternenmut würde mit ihm durchs Tageslicht gehen.