Teil 3 - Lucas und Lena und das Wolkenboot Am dritten Abend rief der Sternenfreund mit einem extrahellen Leuchten. Sein Licht war so stark, dass es die Wiese in ein zartes, silbernes Schimmern tauchte. Lucas und Lena konnten den Blick kaum abwenden. Plötzlich formte sich aus dem Sternenstaub ein flauschiges Wolkenboot, das sanft vor Lucas und Lena landete. Es war weich wie ein Kissen, aber klar zu erkennen: ein kleiner Bug, runde Seiten, ein Platz zum Sitzen. Am Rand glitzerten winzige Sterne wie Lichterketten. „Eine Fahrt durch die Sterne!“, jubelte Lena und klatschte in die Hände. Ihr Herz klopfte vor Aufregung. Lucas grinste breit. „Komm, Kapitänin Lena, wir stechen in den Himmel!“ Sie kletterten hinein, das Boot gab unter ihren Füßen sanft nach, als würden sie auf einem weichen Sofa stehen. Das Boot glitt lautlos über den Himmel, kaum dass sie sich gesetzt hatten. Die Wiese und das Haus wurden kleiner, die Bäume schrumpften zu dunklen Punkten. Sie flogen vorbei an tanzenden Kometen, die lange, funkelnde Schweife hinter sich herzogen, und an singenden Wolken, die leise Melodien summten. Lucas lehnte sich über den Rand und sah nach unten. „Schau mal, die Lichter in der Stadt sehen aus wie kleine Sterne auf der Erde“, sagte er staunend. Lena nickte. „Vielleicht haben die Menschen da unten auch alle ihren eigenen Sternenfreund“, überlegte sie. Lucas entdeckte eine Insel aus purem Licht, die mitten im dunklen Himmel schwebte. Sie glühte in warmen Farben: gold, rosa und ein weiches blau. „Dort picknicken wir!“, sagte er begeistert. Das Wolkenboot lenkte wie von selbst darauf zu. Sie setzten sich auf den leuchtenden Boden, der sich warm und weich anfühlte. Sie naschten von glitzernden Bonbons aus Sternenlicht, die wie Vanille und ein bisschen wie Zuckerwatte schmeckten. Jeder Bissen ließ in ihrem Bauch ein kleines Kribbeln entstehen, als würden die Sterne in ihnen weiterleuchten. „Ich wünschte, wir könnten ein paar davon mit nach Hause nehmen“, seufzte Lena. Lucas lachte. „Vielleicht bleiben sie als Erinnerung in unseren Träumen“, meinte er. Zurück auf der Wiese kuschelten sie sich nebeneinander ins Gras, als das Wolkenboot sie wieder sanft hinuntergebracht hatte. Das Boot löste sich in feinen Nebel auf, der wie Morgentau über der Wiese schwebte und dann verschwand. Der Sternenfreund wachte weiter, sein Licht nun wieder ruhiger, aber immer noch warm. Lucas und Lena sahen ihm noch kurz nach, bevor ihre Augen müde wurden. Und Lucas und Lena schliefen mit glücklichen Träumen von unendlichen Reisen ein – mit einem Wolkenboot, das im Traum jederzeit auf sie wartete.