Teil 22 - Lucas und Lena und der Sternenklang
Am zweiundzwanzigsten Abend war es besonders still auf der Wiese, als Lucas und Lena sich ins Gras legten. Kein Wind, kaum Grillenzirpen – nur der Sternenfreund funkelte ruhig über ihnen. „Heute klingt der Himmel irgendwie leise“, flüsterte Lena.
In diesem Moment schickte der Sternenfreund einen feinen Lichtstrahl hinab, der sich vor ihnen zu einer schimmernden Harfe aus Sternenlicht formte. Die Saiten schwebten einfach in der Luft, als wären sie an unsichtbaren Wolken befestigt. „Eine Sternenharfe!“, staunte Lucas.
Vorsichtig strichen sie über die leuchtenden Saiten. Jeder Ton klang, als mischten sich Glockenläuten, Windrauschen und Flüstern zusammen – weich und warm, wie eine Decke aus Klang. Bei jeder Melodie begann der Himmel über ihnen in anderen Farben zu schimmern: mal sanft violett, mal goldig, mal wie ganz zartes Blau.
„Vielleicht sind das die Lieder der Sterne“, murmelte Lena. Der Sternenfreund antwortete mit einem hellen Aufblitzen, und plötzlich hörten sie in den Tönen kleine Geschichten: von Sternschnuppen, die Wünsche tragen, von Wolken, die müde Kindertränen auffangen, und von einem Licht, das nie ganz ausgeht.
Lucas spielte eine langsame, leise Melodie, und Lena summte dazu. Mit jedem Ton wurden ihre Augen schwerer, ihre Gedanken ruhiger. Die Sternenharfe schien genau zu wissen, welche Klänge müde machen und zugleich fröhlich im Herzen.
Schließlich löste sich die Harfe wieder in feinen Staub auf, der sich wie glitzernder Nebel auf ihre Schultern legte. „Jetzt tragen wir den Sternenklang mit ins Bett“, sagte Lucas schläfrig. Hand in Hand gingen sie ins Haus, während der Sternenfreund noch ein letztes Mal hell aufleuchtete – wie ein stummes Gute‑Nacht‑Lied.
Im Zimmer hörten die beiden noch immer die leise Erinnerung an die Melodie in sich. „Wenn ich die Augen schließe, spielt sie weiter“, flüsterte Lena. So schliefen Lucas und Lena in dieser Nacht ein, als hätte jemand ein leises Sternenlied in ihre Träume gelegt.