Teil 20 - Lucas und Lena und der Sternenbauernhof

image.png

Am zwanzigsten Abend roch die Luft nach Heu und Sommer, obwohl die Wiese wie immer vor ihrem Haus lag. Lucas runzelte die Stirn. „Riechst du das auch?“, fragte er. Der Sternenfreund funkelte fröhlich, und ein breiter Lichtstrahl legte sich wie ein Weg vor die beiden.

Sie folgten ihm – und standen plötzlich nicht mehr nur auf ihrer Wiese, sondern am Rand eines kleinen, leuchtenden Bauernhofs. Die Scheune bestand aus warm glimmendem Holzlicht, und auf dem Dach saßen kleine Sterne wie Hühner auf einer Stange. „Ein Sternenbauernhof!“, staunte Lena.

Auf der Koppel grasten Tiere aus Sternenstaub: eine Kuh mit sanft leuchtenden Flecken, ein Schäfchen, das aussah wie eine kleine Wolke, und ein Pony, dessen Mähne glitzerte wie eine Milchstraße. Wenn sie sich bewegten, ließen sie winzige Funken im Gras zurück.

Ein freundlicher Sternenbauer – ein größerer Stern mit Strohhut aus Licht – winkte sie heran. „Hier pflegen wir eure Träume, damit sie stark werden“, schien er zu sagen. Er reichte Lucas einen kleinen Eimer voller funkelnder „Sternenkörner“. „Für die Tiere“, flüsterte Lena.

Sie streuten die Körner auf die Koppel. Die Kuh leckte sie zufrieden auf, und jedes Mal, wenn sie kaute, sprang ein neuer kleiner Traumstern in den Himmel. Das Schäfchen schüttelte sein Fell, und weiche Schläfrigkeit senkte sich wie eine Decke über die Wiese.

Im Stall lagen Nester aus warmem Lichtstroh. Darin ruhten Eier, die schwach glühten – wie schlafende Ideen. „Das sind die Träume, die noch wachsen müssen“, erklärte der Blick des Sternenbauern. Lucas und Lena legten behutsam ihre Hände darüber, und die Eier leuchteten ein bisschen heller.

Als sie wieder vor der Scheune standen, übergab der Sternenbauer ihnen ein kleines Glasfläschchen mit goldenen „Traumtropfen“. „Für Nächte, in denen das Einschlafen schwerfällt“, murmelte Lena, als hätte sie seine stumme Botschaft verstanden. In dem Moment blinkte der Sternenfreund zustimmend über dem Dach.

Langsam löste sich der Sternenbauernhof wieder in Licht auf, und Lucas und Lena standen erneut auf ihrer vertrauten Wiese – nur der Duft von Heu blieb noch in der Nase. Das Fläschchen mit den Traumtropfen fühlte sich warm und sicher in Lenas Hand an.

So schliefen Lucas und Lena an diesem Abend mit einem Hauch von Sternenbauernhof in ihren Träumen ein – umringt von leuchtenden Tieren, weichen Wolkenschäfchen und dem still wachsenden Garten ihrer Wünsche.


Created 2026-04-26 19:44:48 CEST by Sascha Jelinek
Updated 2026-04-26 19:50:17 CEST by Sascha Jelinek